• Tomas Baumgartner

    Tomas Baumgartner:
    Ein sehr harter Winter ist, wenn ein Wolf den anderen frisst

    23. August 2020 bis 7. Februar 2021

  • Ex Libris




    Literatur und Schrift
    in der Sammlung Bosshard

    19. Januar 2020 bis 10. Januar 2021

  • Karol Radziszewski

    Fanny Hauser
    + Viktor Neumann:
    Karol Radziszewski

    23. August 2020 bis 1. November 2020

  • 4 x Baviera

      4 x Baviera

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Kunstwerk des Monats

August 2020

Vollenweider Carborundum Vollansicht seitlich

Stefan Vollenweider (*1950 in Kaltbrunn)

Carborundum - Die Erforschung der Restmaterie, 2002

Bleistift, Tusche und Tipp-Ex auf Papier
Objektmass: je 21,9 x 29.5 cm
Inventarnummern: 2052 und 2054




Stefan Vollenweider setzt sich in seinen Kunstwerken mit der Umwelt und dem Alltag auseinander, dabei sind Aspekte der permanenten Bewegung und der Temporalität sowie das Provisorische und das Sich-im-Umbruch-Befinden wiederkehrende Themen. Im Besonderen Letzteres kommt in seinen Zeichnungen Carborundum  - Die Erforschung der Restmaterie zum Tragen. Der bereits im Titel enthaltene Begriff der Restmaterie lässt die Komplexität des Themas erahnen.

Auf den Zeichnungen sind weisse Farbschichten zu sehen und unter einer von ihr blitzt eine gelblich-bräunliche Farbschattierung hervor. Oberhalb dieser weissen Schicht erinnern kleine schwarze Striche an eine Partitur.

Sowohl in der Physik als auch in der Philosophie wird Materie viel diskutiert. Man kommt nicht umhin sich zu fragen, in welchem Bereich Vollenweiders Erforschung der  Materie ansetzt. In der Philosophie oder in der Physik? In der klassischen Physik versteht man unter Materie eine von der Energie abgegrenzte mess- und rechenbare Grösse, wohingegen in der speziellen Relativitätstheorie Masse und Energie äquivalent sind. In der Philosophie stellt sich die zentrale Frage: Ist Materie ein Substrat, das ontologisch als Objekt oder als Eigenschaft aufzufassen ist? Ist sie von dem Geist, der Form und der Idee abgrenzbar? Nach Aristoteles trägt jedes physische Objekt Materie in sich. Das Werden, Verändern und Vergehen interessierte ihn besonders. Wenn ein Organismus entsteht, existiert und dann wieder vergeht, muss etwas, nämlich Materie, von ihm fortbestehen.

Könnte das die Restmaterie sein, die Vollenweider versucht zu erforschen? Vielleicht befand sich einst unter der Tipp-Ex-Schicht ein Text oder ein Bild, das auf dem Papier entstand und unter der weissen Schicht wieder verschwand. So sind schriftliche Erzeugnisse wie Romane oder wissenschaftliche Abhandlungen der Versuch des Menschen, eine Spur von sich zu hinterlassen.

Oder vielleicht ist Vollenweiders Erforschung der Restmaterie als Momentaufnahme zu verstehen, in dem sich etwas oder jemand vom Sein zum Nicht-sein verändert, festgehalten in visuellen wie schriftlichen Erzeugnissen.

Stefan Vollenweider (*1950 in Kaltbrunn), gelernter Steinbildhauer, ist für seine Installationen und Interventionen im öffentlichen Raum bekannt; Zeichnungen gehören ebenfalls zu seinen Repertoire.  Der Künstler arbeitet in Zürich und lebt in Rapperswil-Jona.

Text: Preciosa Alberto

Das «Kunstwerk des Monats August» ist Teil der Ausstellung «Ex Libris. Literatur und Schrift in der Sammlung Bosshard» und kann noch bis 10. Januar 2021 im Kunst(Zeug)Haus besichtigt werden.




Abb. 1: Stefan Vollenweider, Carborundum  - Die Erforschung der Restmaterie, 2002, Sammlung Kunst(Zeug)Haus