• Ex Libris




    Literatur und Schrift
    in der Sammlung Bosshard

    19. Januar 2020 bis 10. Januar 2021

  • Weit neu
  • Tomas Baumgartner

    Tomas Baumgartner:
    Ein sehr harter Winter ist, wenn ein Wolf den anderen frisst

    23. August 2020 bis 7. Februar 2021

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Kunstwerk des Monats

November 2020

Mllenbach KM 2020 Vollansicht7 Kopie

Thomas Müllenbach (*1949 in Koblenz)

Was die Welt im Innersten zusammenhält, 1982

Künstlerbuch, Dispersion und Fotografie auf Tapetenmusterbuch
Objektmass: 41 x 56 x 11.5 cm
Inventarnummern: 828


Thomas Müllenbach, der sich in seinen Werken mit dem Alltäglichen auseinandersetzt, überarbeitet bei der Arbeit Was die Welt im Innersten zusammenhält ein altes Tapetenmusterbuch. Der Titel des Werks ist angelehnt an eine berühmte Textstelle in Johann Wolfgang von Goethes literarischem Werk «Faust» (1790): «Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält». Auch die Verwendung eines Tapetenmusterbuches ist kein Zufall. Es ist eine Anspielung auf den  französischen Maler Henri Matisse (1869-1954), der raumgreifende Malereien schuf und die Sujets der Tapetenindustrie inspirierte.

Seite um Seite offenbaren sich auf den Mustern im Buch blaue, rote, grüne und braune Farbenflüsse. Hier und da sind die ursprünglichen Tapetenmuster unter der Intervention noch erkennbar. Oft sind die Seiten ebenfalls mit Ausschnitten aus Design-Zeitschriften ergänzt und ganz selten finden sich sogar von Müllenbach selbst Zeichnungen von Interieurs.

Durch die künstlerische Intervention von Müllenbach ist aus dem Tapetenbuch ein neues Kunstwerk entstanden – das Künstlerbuch. Doch was ist ein Künstlerbuch?

Unter einem Künstlerbuch versteht man ein Objekt, das sich mit Text und Bild auseinandersetzt. Seit dem 20. Jahrhundert gilt es als Ausdrucksmittel der Moderne, auf der Suche nach neuen Formen des Lesens. Auf dieser Suche spielen die Künstler mit bestimmten Vorstellungen, die wir über Bücher haben. So bricht Müllenbach mit Konventionen und Sehgewohnheiten, indem er das Tapetenmusterbuch mit Farben und Fotografien bearbeitet. Dadurch verändert sich nicht nur die Wahrnehmung des Betrachters, sondern auch die Bedeutung verändert sich: Das Musterbuch ist kein Musterbuch mehr.

Ulises Carrión (1941-1989) schrieb in seinem Essay «The New Art of Book Making», dass das Buch ein Raum in Sequenzen darstelle. Jedes Kapitel – ja sogar jede Seite – eines Buches ist gemäss seiner Definition ein Raum, der mit Worten, Illustrationen oder Schriftbildern gefüllt werden kann. Jede Raum-Sequenz in dem Künstlerbuch von Müllenbach hat ihre eigene Farbdynamik und somit ihre eigene Form. Unter dem Titel Was die Welt im Innersten zusammenhält kommen die Sequenzen zusammen und bilden ein Ganzes. Die Form des Lesens hat sich neu gestaltet. Mit Blick auf das Thema der aktuellen Sammlungsausstellung schliesst sich der Kreis. Ex Libris: das aus Büchern stammende.

Thomas Müllenbach (*1949 in Koblenz)

Maler und Zeichner, setzt sich mit seinen Werken mit dem Alltäglichen auseinander. Er fragmentiert und entfremdet Bekanntes, um Sehgewohnheiten zu durchbrechen. Der Maler und Zeichner war von 1989 bis 2015 Professor an der Zürcher Hochschule der Künste. 1985 initiierte und begründete er die Kunsthalle Zürich mit, dessen Vizepräsident er bis 2003 blieb. Müllenbach lebt und arbeitet in Zürich und Gaboin (F).

Text, Preciosa Alberto, Praktikantin Kunst(Zeug)Haus


Das «Kunstwerk des Monats September» ist Teil der Ausstellung «Ex Libris. Literatur und Schrift in der Sammlung Bosshard» und kann noch bis 10. Januar 2021 im Kunst(Zeug)Haus besichtigt werden.




Abb. 1: Thomas Müllenbach, Was die Welt im Innersten zusammenhält, 1982, Sammlung Kunst(Zeug)Haus