Kunstwerk des Monats
April 2026

Handtuch, 2005

Christian Rothacher (1944–2007)
in Zusammenarbeit mit der Fotografin Brigitt Lattmann (*1953)
Inkjet Print auf Polyestergewebe
77 x 49.5 cm
Inv.-Nr. 2981

Ein Handtuch, wie man es in jedem schweizerischen Haushalt findet. Es zeigt Falten und «Rümpf», die auf den sorgfältigen Umgang mit dem Tuch hinweisen. Doch Moment: Der Stoff ist flach, besitzt weder Erhebungen noch Vertiefungen. Die Falten sind eine perfekte Täuschung, erzeugt durch präzis gesetzte Schattenwürfe.

Das unscheinbare, alltägliche Geschirr- oder Handtuch greift Christian Rothacher auf und verwandelt es in ein Inbild – eine vollkommene Verkörperung eines Gegenstandes. Arbeitsspuren gibt es nicht, gab es nie bei Rothachers Werken. Der Künstler ist der Ansicht, den Schaffenden aus dem Werk verbannen zu müssen. So und nur so kann das Erschaffene professionell sein und für sich alleinstehen. Rothachers Poesie liegt im Gegenstand. Es gibt keine naturalistischen Landschaftsbilder, keine Bilder von Menschen; einzig Bilder von Gegenständen.

In vier Jahrzehnten hat der Künstler ein Werk voller Humor und Ironie geschaffen. Für Rothacher ist die Kunst eine Waffe im Kampf für eine bessere Welt oder zumindest ein Werkzeug zur Anklage des Irrsinns. Ganz im Sinne der 1968er-Bewegung, deren engagierter Vertreter er in jungen Jahren war. So rückt Rothacher die kleinen Dinge, das Alltägliche, das oft Übersehene, ins Zentrum seines Schaffens. Das Private öffentlich und politisch zu machen und so Tabus zu brechen, war eines der zentralen Anliegen der antiautoritären Revolte.

Christian Rothacher wurde 1944 in Aarau geboren. Nach seiner Tätigkeit in der Schuhfabrik Bally in Schönenwerd wandte er sich in den 1960er-Jahren der Kunst zu und studierte an der F + F Schule für experimentelle Gestaltung in Zürich. Rothachers Œuvre umfasst skulpturale Objekte, Aquarelle, Linolschnitte und fotografische Arbeiten. Der Künstler verstarb 2007 in Aarau. Rothacher wählte die Kunst, weil er das Leben in etwas investieren wollte, das sein eigenes überdauert.

Text: Aina Vogt