Kunstwerk des Monats
September 2026
TWINS, 1998–1999
Ueli Berger (1937–2008)
Diverse Materialien
24-teilige Installation
Inv.-Nr. 1773–1796
Ein Schwamm im Museum? Und weshalb ist jeder Gegenstand gleich zweimal ausgestellt? Paarweise und fein säuberlich arrangiert, begegnen uns Brot, Aluminium, Holzstöckchen, Rosenquarz und vieles weiteres. Nach dem ersten Blick auf die Installation kommt schnell die Frage auf, was diese Alltagsgegenstände zu bedeuten haben.
In den 1990er-Jahren schuf Ueli Berger die Werkserie Twins – auf Deutsch «Zwillinge». Eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Sehen und der Sinnestäuschung. Der Künstler schuf eine Situation, in der wir die Objekte nicht betasten, riechen, hören oder schmecken können. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als uns auf unsere Augen zu verlassen. Doch diese verleiten uns dazu, getäuscht zu werden. Haben Sie auf den ersten Blick erkannt, dass die beiden scheinbar identischen Objekte nicht aus demselben Material bestehen? Die Installation verdeutlicht, wie irreführend das Sehen allein sein kann.
Gerade heute bleibt die Botschaft der Twins zeitgemäss: In einer Zeit, in der wir täglich mit einer Flut von Bildern konfrontiert sind, erinnert uns diese Arbeit daran, genauer hinzusehen. Denn nicht alles erschliesst sich auf den ersten Blick.
Ueli Berger (1937–2008) schloss 1956 die Lehre zum Maler ab und belegte danach Kurse an der Kunstgewerbeschule, wo er auch seine spätere Ehefrau Susi Wyss (1938–2019) kennenlernte. Darauf folgte ein Volontariat beim Designer Hans Eichenberger, wo er sich im Möbelentwurf, in der Formgebung und der Innenarchitektur weiterbildete. Ab 1965 stellte er regelmässig national und international aus. Seine Arbeiten sind von Multidisziplinarität geprägt und bewegen sich zwischen Kunst, Architektur und Design. Gemeinsam mit Susi Berger entstand ein Œuvre, das von Kunst-am-Bau bis hin zu ikonischen Möbeldesigns reicht.
Text: Julia Gautschi
