Kunstwerk des Monats
Mai 2026
Wohin – Woher, 1983
Lis Kocher (*1942)
Lithografie auf Büttenpapier, 17-teilig, Ed. 33/36
29 x 39 cm
Inv.-Nr. 2505
Mit kräftigen Pinselstrichen erschafft Lis Kocher in der 17-teiligen Serie Wohin – Woher Welten, die zwischen Abstraktion und Figürlichkeit stehen. Die Bilder lesen sich wie eine Geschichte. Die wilden Linien stechen dabei als Erstes ins Auge. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich daraus Gesichter, Körper und räumliche Umgebungen. Sie erscheinen wie Träume, gehen fliessend ineinander über und wirken surreal. Aus der Kombination von Werktitel und Bildinhalten lässt sich darauf schliessen, dass sich die Serie mit Befindlichkeiten und den grossen Fragen des Lebens auseinandersetzt.
Ende der 1970er-Jahre arbeitete Kocher in Montefalco (Italien), wo sie sich mit ihrem Dasein auseinandersetzte. In den zu dieser Zeit entstandenen Werken sind die Darstellung des Pinsels sowie Arm und Kopf der Künstlerin fester Bestandteil. Auch in Wohin – Woher tauchen Köpfe und Figuren mit langen Armen, die Pinsel halten, auf. Es findet sich auch hier Selbstbildnisse der Künstlerin wieder, auch wenn diese keine körperlichen Ähnlichkeiten zu Lis Kocher selbst aufweisen. In den 1980ern traten Ausdruck und Farbenreichtum in den Vordergrund. Die Selbstdarstellung nahm ihren Höhepunkt. Innere Welten und existenzielle Fragen wurden durch verwobene Bildelemente und Gleichzeitigkeit in der Narration zum Ausdruck gebracht.
Lis Kocher wurde 1942 in Bern geboren. Sie lebt und arbeitet in Magglingen bei Biel. Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin besuchte sie Malereikurse bei Max von Mühlenen (1903–1971), einem der wichtigsten Vertreter des abstrakten Expressionismus in der Schweiz. Zwischen 1986 und 1995 unternahm Kocher mit ihrem Partner Jean Nydegger Segelschiffreisen über den Indischen Ozean, das Rote Meer, Mittelmeer und den Nord- und Südatlantik. Sie verliess ihr Atelier und beschäftigte sich mit synästhetischen Wirkungen in der Malerei, mit dem Übergang von innerer Verfassung zu äusserer Form und auch mit Prozessen des Erkennens des Selbst. Lis Kochers Œuvre umfasst Lithografien, Malereien, Objekte und Zeichnungen.
Text: Julia Gautschi
