Kunstwerk des Monats
November 2026
SPRINGLI, 2006
Verena Sieber-Fuchs (*1943)
Schoggipapierchen, Inox-Draht
ca. 19 x 20 x 3 cm
Inv.-Nr. 4047
Das Schaffen mit den eigenen Händen spielt im Leben von Verena Sieber-Fuchs eine wichtige Rolle. In der Sattlerwerkstatt ihres Vaters erlebt sie schon als Kind, wie aus unterschiedlichen Materialien mit Geschick und Geduld Neues entstehen kann. Früh steht für sie fest, dass sie Künstlerin werden möchte. Ihr Weg führt sie nach Basel, wo sie die Textilfachklasse besucht und sich künstlerisch ausbilden lässt. Eine entscheidende Begegnung ist jene mit Elsie Giauque (1900–1989) an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Die Pionierin der Textilkunst und Dozentin wird zu einer wichtigen Mentorin und Förderin.
Die künstlerische Neugier von Sieber-Fuchs gilt besonders jenen Dingen, die im Alltag kaum Beachtung finden. Fundstücke und industriell gefertigte Verpackungsmaterialien werden zu Ausgangspunkten ihrer Kunstwerke. Dazu gehören auch die bunten Schoggipapierchen, die bei Naschkatzen und -katern beliebt sind. Was im Alltag oft unbeachtet bleibt, verwandelt die Künstlerin mit Sorgfalt und Präzision in ein einzigartiges Schmuckstück. Ihre Arbeitsweise erinnert an aufwendige Handstickerei und filigrane Klosterarbeiten. Sie zerteilt die Aluminiumfolie und verbindet die einzelnen Stücke mit feinem Edelstahldraht zu einem metallenen Textil. Doch ihre Arbeit ist mehr als eine kunstvolle Verwandlung von Materialien: SPRINGLI weckt Erinnerungen an gemütliche Nachmittage bei Kaffee und Tee oder an Familienfeste, bei denen süsse Köstlichkeiten auf dem Tisch stehen.
Verena Sieber-Fuchs (*1943) wächst in Appenzell auf. Nach ihrer Ausbildung an den Kunstgewerbeschulen in Basel und Zürich arbeitet sie als freischaffende Künstlerin. Ihr Schaffen wird dreimal in Folge mit dem Eidgenössischen Kunststipendium für angewandte Kunst gefördert (1967, 1968 und 1969). Bis 1973 setzt sie sich vor allem mit Tapisserien und textilen Installationen auseinander, bevor sie beginnt, mit Schmuckobjekten zu experimentieren. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland verschaffen ihrem Werk internationale Sichtbarkeit. Ihre Arbeiten befinden sich in renommierten Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art in New York, das Victoria and Albert Museum in London, das Stedelijk Museum in Amsterdam, das Musée des Arts Décoratifs in Paris und das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. Verena Sieber-Fuchs lebt und arbeitet in Zürich, wo die Confiserie Sprüngli ihre Leckereien anbietet und immer wieder auch Kunstschaffende inspiriert.
Text: Florian Hürlimann
