Kunstwerk des Monats
Oktober 2026
N-11.1, 2011
Reto Boller (*1966)
Aluminium
284 x 494.5 x 8 cm
Inv.-Nr. 3417
Diese drei Aluminiumbleche lagen als Abfall bei einem Industrieunternehmen in Uster, bis Reto Boller das malerische Potenzial des Metalls erkannte. Auch reizten ihn die Fragen, die Ausschnitte aufwerfen. Was wurde aus den Positiven gebaut und wofür? Wo sind sie heute? Für Reto Boller wurde das, was für die Industrie unbrauchbar geworden war, zum künstlerischen Ausgangspunkt. Die einstige Massenware wird zum Unikat: einzigartig, unwiederholbar, aus der Serie herausgelöst.
Alle Platten tragen deutliche Spuren ihrer Entstehung und zeigen so die Menschen hinter den globalisierten Prozessen. Die ungeschliffenen Kanten sowie die kleinen Wasser- und Rostflecken geben den maschinell hergestellten Platten einen «menschlichen Makel». Weiter sieht Boller in den Lücken der Platten ein Potenzial, das ein Puzzeln vor dem inneren Auge anregen soll. Durch Tasten oder auch durch Sehen kann man die fehlenden Ausschnitte erfassen und in der Vorstellung zusammenfügen. So wird aus dem Objekt eine Art museales Gehirntraining.
N-11.1 entstand in einer Schaffensperiode, in der Boller seinen Arbeiten keinen Titel geben wollte. Da aber «Ohne Titel» dennoch ein Titel war und das Freilassen des Titelfeldes für viele Galerien eine administrative Herausforderung darstellte, entschied er sich, seinen Werken stattdessen nüchterne, serielle Titel zu geben. Der Buchstabe ist dabei entweder zufällig gewählt, bezieht sich auf das Material oder den Namen des Objekts – bei N-11.1 ist das «N» zufällig gewählt. Die Zahl 11 steht für das Entstehungsjahr 2011. Die Zahl nach dem Punkt gibt an, das wievielte Werk es im Jahr war – hier also das erste Werk des Jahres 2011. Diese Art der Titelgebung denkt den Industriegedanken weiter. Boller setzt sich als Titelgeber in die Rolle des Produzenten, während das Werk selbst zum Produkt wird.
Reto Boller (*1966) studierte Bildende Kunst an der Hochschule für Gestaltung Zürich sowie an der Hogeschool voor de Kunsten Arnheim in den Niederlanden. Ab 1993 stellte er regelmässig im In- und Ausland aus und gewann zahlreiche Preise, unter anderem auch den Eidgenössischen Preis für freie Kunst (Swiss Art Awards) 1996, 1997 und 1998. Seit 2007 hat er eine Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart inne.
Text: Aina Vogt
